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Feministische Pionierin der Performance-Kunst

Heuer wurde das Lebenswerk der US-amerikanischen Künstlerin ­Carolee Schneemann auf der 57. Biennale di Venezia mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. Sie ist multimedial als Künstlerin, Choreografin, Performerin und Autorin tätig. 

Schneemann wurde 1939 in Fox Chase, Pennsylvania, geboren und studierte am New Yorker Bard College, an der Columbia University und der University of Illinois. 1961 zog sie nach New York, wo sie nachdrücklich die künstlerische Avantgarde mitprägte. Ihre Karriere begann in den 1950ern vor allem mit Akt-, Porträt- und Landschaftsmalerei. In einem weiteren Schritt hat sie die Grenzen des traditionellen Tafelbildes erweitert. Sie hat ihre Gemälde mit einfachen Mechanismen in Bewegung gesetzt. In diese kinetische Malerei, die sie Painting Constructions nannte, integrierte sie Fotografien und Gegenstände aus ihrem Alltag. 

Bekannt wurde Carolee Schneemann vor allem in den 1960ern und 1970ern durch ihre Experimentalfilme und Performances, bei denen sie sehr stark Körper, besonders auch ihren eigenen, einsetzte und diesen mit Bewegung, Sprache oder auch Text kombinierte. Es ist auf jeden Fall ein Werk, das sehr stark polarisiert(e) und provoziert(e). Sie bringt Bewegung in die Kunst und setzt sich vor allem mit Sexualität und Geschlechterrollen auseinander, mit dem individuellen bzw. dem gesellschaftlichen Körper, dem weiblichen Körper im historischen Kontext und sie untersucht Lust und Erotik aus weiblicher Perspektive.

In Serien, wie Native Beauties (1962-1964) thematisierte Schneemann den weiblichen Körper als Objekt des männlichen Blickes. In der Arbeit Eye Body: 36 Transformative Actions (1963) setzte sie ihren Körper als Material ein, genauso wie Spiegel, Seile, Folie, Federn, Leim und Farbe. Meat Joy (1964), zeigt eine Gruppenperformance als ekstatisch-opulentes Fest aus Sexualität, Popmusik und Fleisch. Wie Judy Chicago thematisierte sie auch das Tabuthema Menstruation in der Kunst, erstere 1971 in der Fotolithographie Red Flag und 1972 in dem von ihr und Miriam Schapiro initiierten Womanhouse, Schneemann zeitgleich in ihrem Blood Work Diary, wo sie ihr Menstruationsblut mit Tüchern auffing. Besonders spektakulär war ihre Performance Interior Scroll (1975, 1977), in der sie ihren Körper mit Schlamm bemalte und eine Schriftrolle aus ihrer Vagina zog und den Text vorlas, in dem es um die tägliche Diskriminierung von Frauen ging bzw. dem Körper als Quelle inneren Wissens. 

Bereits 2015 hat das Museum der Moderne in Salzburg dem Werk von Carolee ­Schneemann eine beeindruckende Schau gewidmet und rund 350 Arbeiten der Künstlerin gezeigt, die nun bis 24. Sept. 2017 in Frankfurt am Main zu sehen ist und ab 22. Okt. 2017 im MoMA in New York. Seit 2014 ist die Sammlung der Generali Foundation Deuerleihgabe am Salzburger Museum. Zuletzt wurde mit Noise Bodies von Schneemann eine weitere zentrale Arbeit erworben. Die Installation besteht aus Originalkostümen und Requisiten der Performance aus dem Jahr 1965 mitsamt Sound, Partituren und Fotodokumentationen. Bei dieser Klang- und Bewegungsimprovisaton haben Schneemann und Komponist James Tenny ihre Körper gegenseitig mit Stäben bespielt.

Bis 3. Sept. 2017 sind die Werke von ­Carolee Schneemann auch im Rahmen der Ausstellung über die Feministische Avantgarde. Kunst der 1970er Jahre im MUMOK in Wien zu sehnen. 

In Venedig wurde ein Lebenswerk geehrt, das nachfolgende Generationen von Künstler_innen maßgeblich beeinflusste. 

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