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Baumschlager

Szenen des Alltags der UN-Mission am Golan

Vor ziemlich genau vier Jahren zog Österreich einen abrupten Schlussstrich unter einen seiner meistbeachteten Beiträge zur internationalen Friedenssicherung: Nach fast 40 Jahren Einsatz auf den Golanhöhen verkündete die Regierungsspitze am 6. Juni 2013, die Blauhelme von der UNO-Mission zwischen Syrien und Israel abzuziehen. Aus militärischen Gründen könne Österreich nicht mehr an der UN-Mission teilnehmen hieß es damals. Die Gefährdung der österreichischen Soldaten sei auf ein „inakzeptables Maß angestiegen“ seit an der israelischen Grenze Rebellen und Regierungstruppen heftig gekämpft hatten. Zwei Blauhelmsoldaten waren damals leicht verletzt worden. Bis zu diesem Vorfall hatte Österreich mit 380 Soldaten – also etwa einem Drittel der UN-Truppe – auf dem Golan die Einhaltung der Waffenstillstandsvereinbarung zwischen Israel mit Syrien überwacht. Andere Länder wie Japan und Kroatien hatten wegen der immer weitere Kreise ziehenden Gewaltspirale im Nahen Osten ihre UN-Soldaten schon vor Österreich abgezogen. Der israelische Regierungschef Benjamin ­Netanyahu kommentierte diese Aktionen entsprechend verbittert. Die Tatsache, dass die Blauhelmtruppe in sich zusammenbreche, zeige einmal mehr, dass Israel sich in Sicherheitsfragen nicht auf internationale Kräfte verlassen könne. Die sichtlich unangenehm überraschte UNO wahrte öffentlich diplomatische Höflichkeit, ließ Wien aber in einem Schreiben wissen, man hoffe, die österreichische Regierung sei sich bewusst, dass der frühzeitige Abzug negative Auswirkungen auf die Region haben würde. Soweit die damalige Faktenlage. 

Ein Jahr später unterzeichneten Österreich und Israel ein neues Abkommen: Reinhold Mitterlehner, damals noch Wirtschaftsminister, unterzeichnete gemeinsam mit dem israelischen Botschafter Zvi Heifetz erstmals ein Abkommen über die Koproduktion von Filmen zwischen Israel und Österreich. Der Termin erfolgte im Beisein des Präsidenten der Knesset, Yuli-Yoel Edelstein. Das neue Filmabkommen – so die Hoffnung – sollte dazu beitragen, die Kontakte zwischen der österreichischen und der israelischen Filmwirtschaft auszubauen und zu vertiefen. 

Inzwischen ist das erste Produkt dieser kulturellen Konspiration fertiggestellt und soll im September in die Kinos kommen – in Österreich und in Israel. Baumschlager lautet der Titel des gemeinsamen Projekts des österreichischen Regisseurs Harald Sicheritz und der israelischen Drehbuchautorin Maayan Oz. Dass sich die beiden für diese erste Gemeinschaftsproduktion ausgerechnet den Abzug der Blauhelme von den Golanhöhen vorgenommen haben, könnte man als Chuzpe bezeichnen – im gewollt positiven Sinne. 

Mit treffsicherer Ironie erzählen Sicheritz und Oz eine fiktionale Geschichte rund um den Abzug eines Blauhelms aus dieser Krisenregion. Der liebenswerte, doch etwas tollpatschige österreichische UNO-Offizier, Werner Baumschlager, soll vom Golan nach Wien zurück. Doch er will eigentlich gar nicht abrüsten, weil er ganz offensichtlich etwas zu verbergen hat und sich daher auffällig benimmt. Bald gerät er deshalb unter Spionageverdacht und zwischen alle Fronten. Dass hinter seinem Versteckspiel drei Frauen stecken, soll niemand erfahren. Denn – das weiß Baumschlager – drei sind auf jeden Fall um zwei zuviel...

In den Hauptrollen sind Thomas Stipsits, Gerti Drassl, Meyrav Feldmann, Moran Rosenblat und Solveig Arnassdöttir zu sehen.

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